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Rotwildbrunft

 

Rotwildbrunft
Michel Jüngling

Die Brunft des Rotwildes stellt wegen ihren akustischen Wahrnehmungen ein besonderes Naturschauspiel dar. Sie findet in unseren Breitengraden von Mitte September bis Anfang Oktober statt und wird durch eine hormonelle Umstellung bei Hirsch und Kahlwild ausgelöst. Das Ende der Feistzeit wurde bei den Rothirschen schon Ende August durch eine vermehrte Testosteronausschüttung eingeläutet, was sie nun zunehmend unruhig werden lässt und ihr bislang soziales Zusammenleben mit ihren Rudelgenossen der Feistzeit weicht einem aggressiven Verhalten. Ältere Hirsche zeigen zu Brunftbeginn schon erste Anzeichen ihrer künftigen Winterdecke in Form der Ausbildung eines langhaarigen Kragens am Trägeransatz, die so genannte Brunftmähne. Auch hat sich ihre Statur im Vergleich zum Beginn der Feistzeit verändert. Der Körper bringt nun deutlich mehr Masse und sein Schwerpunkt liegt durch den nun ausgebildeten Vorschlag in der vorderen Körperhälfte. Nach dem Auflösen der Feisthirschrudel ziehen die älteren Hirsche meist zielstrebig in Richtung ihrer angestammten Brunftplätze, welche sich teilweise weit entfernt von den Sommereinständen befinden. Diese Brunftplätze liegen in den vom Kahlwild bevorzugten Einstandsgebieten und es handelt sich dabei meist um übersichtliche Areale, welche vom brunfteten Rotwild gut einsehbar sind. Generell kann man davon ausgehen, dass ein ausreichender Anteil reifer Hirsche und dem daraus resultierenden Konkurrenzdruck für einen lebhaften Brunftbetrieb sorgt. Auch sind positive Witterungseinflüsse für die Intensität des Brunftgeschehens maßgebend. Kalte, sternklare Nächte, eventuell sogar mit den ersten, leichten Frösten bürgen beim Rotwild geradezu für eine hohe Brunftaktivität. Die Hauptbrunft konzentriert sich auf wenige Tage, in denen die meisten Tiere brunftig sind. Ein zu Unzeiten brunftig gewordenes Tier kann eine sogenannte Nachbrunft auslösen, welche sich dann im Ausnahmefall im November oder Dezember bemerkbar macht.

Das Brunftverhalten

Seine steigende Brunftstimmung bringt der Hirsch unter anderem durch das Bodenforkeln zum Ausdruck, indem er mit seinem Geweih den Boden stark bearbeitet und aufwühlt. Auch ist ein Plätzen mit den Vorderläufen festzustellen. In diese angelegten Bodenverwundungen nässt der Hirsch, um sich anschließend ausgiebigst darin zu wälzen. Durch dieses Verhalten nimmt er seinen typischen Brunftgeruch an, welcher ihn für das Kahlwild durch die im Urin enthaltenen, geschlechtlichen Duftstoffe besonders interessant erscheinen lässt. Er markiert seinen Brunfteinstand durch das Befegen von Baumstämmchen und Büschen, wobei sich ein Sekret aus den Vorderaugendrüsen entleert. Steht der Hirsch beim Kahlwild, ist er ständig damit beschäftigt dessen Paarungsbereitschaft zu überprüfen. Dies geschieht indem er den Urin, die Losung und die Betten des Kahlwildes bewindet. Zieht der Hirsch bei diesem intensiven Bewinden seine Oberlippe hoch und die Schneidezähne des Unterkiefers werden sichtbar, bezeichnet der Jäger dieses Verhalten als Flehmen. Hat der Hirsch dann ein hochbrunftiges Tier ausgemacht, treibt er es vor sich her und der Beschlag findet meist etwas abseits des Rudels statt. Einen besetzten Brunftplatz zeigt der Hirsch seinen Rivalen durch sein Schreien an. Dies hält aber geringere Beihirsche nicht davon ab, in ausreichender Entfernung einem Stück Kahlwild aufzulauern, welches sich dem Einwirkungsbereich des Platzhirsches kurz entzogen hat. Bleiben die Beihirsche in gebührendem Abstand zum Brunftgeschehen, werden sie von Platzhirsch oftmals toleriert. Kommen sie aber dem Kahlwild zu nahe, werden sie kurzerhand vom Platzhirsch auf Trab gebracht. Entfernt sich ein Stück Kahlwild zu weit vom Brunftgeschehen, wird es vom Platzhirsch durch Imponierschreiten mit hocherhobenem Haupt zurückgedrängt. Dabei kann auch das so genannte Eckzahndrohen beobachtet werden, indem er durch das Anheben der Oberlippe die beim Rotwild zurückgebildeten Eckzähne, die Grandeln, zeigt. Die Führung eines Brunftrudels hat immer ein erfahrenes und führendes Alttier, das so genannte Leittier.

Ein Platzhirsch büßt seine Vormachtstellung auf dem Brunftplatz bedingt durch eine eingeschränkte Nahrungsaufnahme mit einem im Laufe der Brunft fortschreitenden Gewichtsverlust ein. Das Verteidigen seines Brunftrudels gegen die Beihirsche, das Zusammenhalten des Kahlwildes, der Beschlag und das Erzeugen der Brunftlaute zehren an seiner Energie. Durch diese Schwächung kann es im Laufe der Brunft zum Verlust des Status als Platzhirsch kommen und ein vitaler, suchender Hirsch nimmt seine Position im Rudel ein.

Lautäußerungen während der Brunft

Sein gewaltiges Röhren lässt ein Rothirsch während der Brunft zu unterschiedlichsten Anlässen hören. Der Platzhirsch signalisiert seinen Rivalen durch die typischen Brunftschreie seine Anwesenheit am Brunftplatz, was wiederum andere Hirsche veranlasst zu antworten. Der Anblick eines Rivalen und die Phasen kurz vor oder nach einem Brunftkampf sind ebenfalls Auslöser für intensives Schreien. Beim Zurücktreiben eines Stückes Kahlwild oder beim Vertreiben eines Beihirsches lässt der Hirsch meist eine Folge sehr kurzer und heftiger Rufe hören, welche als Sprengruf oder auch Trenzen bezeichnet werden. Ein müde im Bett sitzender Hirsch meldet eher verhalten. Diese leisen Rufe nennt man Knören. Mit etwas Übung kann man einzelne Hirsche anhand ihrer Stimmlage und Rufcharakteristika gut unterscheiden. Junge Hirsche hören sich oftmals beim Röhren noch sehr unbeholfen an und ihr Melden kann inmitten eines Schreies abrupt abbrechen.

Brunftkämpfe

Abgesehen von den spielerischen Kämpfen meist jüngerer Rothirsche, dem so genannten Scherzen, kann es während der Brunft zu handfesten Auseinandersetzungen meist gleichstarker Konkurrenten kommen. Diese Brunftkämpfe haben ganz charakteristische Abläufe und Regularien und dienen nicht dazu, den Gegner zu verletzen oder gar zu töten. Dennoch kann es bei sehr heftigen Kämpfen zu Verletzungen von oberflächlichen Schrammen, bis zu tiefen Forkelstichen kommen. Dabei stellt ein ausgeforkeltes Licht ein deutlich geringeres Problem für den Hirsch dar als ein Forkelstich in die Lunge, welcher dann meist tödlich endet. Bei den Kämpfen kann es auch zu Beschädigungen des Geweihes in Form von abgebrochenen Enden oder auch Stangenbrüchen kommen. Mit ihren Geweihen untrennbar verkämpften Hirschen steht in den meisten Fällen ein dramatisches Ende bevor. Da das Geweih beim Kampf eine Prellbockfunktion einnimmt, schützt ein endenreiches Geweih am besten vor Forkelverletzungen. Ernsthafte Kämpfe werden oftmals durch Imponiergehabe wie Schlagen mit den Geweihen in Geäst oder Boden und dem nebeneinander Herschreiten und dem Taxieren der Stärke des Gegners vermieden oder beschränken sich gar auf Rufduelle.

 Die Jagd auf den Brunfthirsch

Bei lebhaftem Brunftbetrieb lohnt sich gerade in den frühen Morgenstunden vor dem Ansitz das Verhören der Hirsche von einer exponierten Stelle aus. Dadurch kann man einzelne Hirsche in ihren Einständen bestätigen und dann vom Ansitz aus oder auf der Pirsch gezielt bejagen. Bei den Reviergängen sollten wir auf alle Anzeichen für Brunftbetrieb wie durch Forken entstandene, frische Bodenverwundungen und befegte Äste und Büsche achten. Für die Beurteilung aufgefundener Fährten können weitere der uns überlieferten, hirschgerechten Zeichen herangezogen werden. Bei Pirschgängen ist größte Vorsicht geboten, da das Kahlwild trotz Brunftstimmung sehr wachsam ist und einen unvorsichtigen Jäger sehr schnell bemerkt hat. Der Ansitz bei gutem Wind bietet oftmals nicht nur einen besseren Überblick, sondern man hat in der Regel auch mehr Zeit zum richtigen Ansprechen. Schon vor der Jagd sollte man sich über die Hegerichtlinien und Abschusskriterien des entsprechenden Rotwildgebietes im Klaren sein, welche je nach Region und Veranlagung der Rotwildpopulation sehr unterschiedlich ausfallen können.

Da Hirsche während der Brunft des Öfteren eine gewisse Schusshärte zeigen und Nachsuchen wegen der auf einem Brunftplatz vorherrschenden starken Wildwitterung meist sehr anspruchsvoll sind, sollte ein auseichend starkes Kaliber gewählt werden, welches auch bei stärkerem Wild noch genügend Ausschuss erzeugt. Beim Schuss in ein Rudel ist generell darauf zu achten, dass das zu erlegende Stück in einem ausreichenden Abstand zu den Rudelmitgliedern steht, da ansonsten unbeschossenes Wild durch Geschosssplitter verletzt werden könnte.

Eine besonders spannende Jagdart auf den Brunfthirsch ist die Rufjagd mit dem Hirschruf. Dabei wird dem Hirsch ein Eindringling und Rivale in seinem Brunfteinstand vorgegaukelt und dadurch versucht, ihn zum Zustehen zu bewegen. Für die Ausübung der Rufjagd braucht es aber einiges an Erfahrung und man kann dabei auch viel verderben. Daher sollte der Jäger bevor er mit dem Hirschruf in die Wälder loszieht, diese Jagdart bei einem erfahrenen Rufjäger von der Pike auf erlernt haben.

 

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